Produktdetails

Quellenpublikationen aus dem Archiv der Sing-Akademie zu Berlin
om247 / Band 14
Ignaz Mara (1709-1783)
Konzert für Viola, Streicher und Basso continuo Es-Dur
für Vla (solo), 2 Vl, Va und Bc
Herausgegeben von Phillip Schmidt
Ausgaben*

Der klangvolle Name „Mara“ ist bis in unsere Zeit mit einer international gefeierten Sängerin des 18. Jahrhunderts verbunden, die Anfang der 1770er Jahre in Berlin als Primadonna Friedrichs II. (1712–1786) ihren kometenhaften Aufstieg begann. Die Rede ist von Gertrud Elisabeth Schmehling (1749–1833), deren außergewöhnliche Stimme und Fertigkeiten im Gesang ihren Ruf als herausragendste deutsche Sopranistin ihrer Zeit begründeten. Durch die Vermählung mit Johann Baptist Mara (1744–1808) 1773 erhielt sie den Namen, mit dem sie berühmt wurde. […] 
Johann Baptists Vater war Ignaz (auch Ignatius) Mara (Ignác František Mára), über den nicht viel bekannt ist. Er wurde am 16. Februar 1709 in Nemecký Brod in Böhmen als Sohn von František Krystyan und Kateržina Rozalia Mara unter dem Namen Ignaty Frantissek getauft und entstammte einer kinderreichen Familie. Über seine Kindheit und Jugendjahre oder seine musikalische Ausbildung sind keine näheren Informationen zu gewinnen. 1742 trat Ignaz als Violoncellist in die preußische Hofkapelle ein; außerdem oblagen ihm als Kammermusiker solistische Aufgaben. Er gehörte der Generation der gleichaltrigen Landsmänner Georg Czarth (1708 – nach 1780) und Franz Benda (1709–1786) an, die als Violinisten ebenfalls in der preußischen Hofkapelle ihren Dienst versahen. Diese Musiker bildeten zusammen mit Carl Heinrich Graun (1703/04–1759), Johann Gottlieb Graun (1702/03–1771), Johann Joachim Quantz (1697–1773), Johann Gottlieb Janitsch (1708–1762), Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), Joseph Benda (1724–1804) und anderen den Kern der preußischen Hofmusik unter Friedrich II. […]
Man nimmt an, dass die drei Anfang der 1750er Jahre entstandenen, nach aktuellem Kenntnisstand wohl ursprünglich für Violoncello, Streicher und Basso continuo komponierten Konzerte in a-Moll, Wq 170 (H 432), B-Dur, Wq 171 (H 436), und A-Dur, Wq 172 (H 439), von C. P. E. Bach – die jeweils auch in Fassungen für Cembalo oder Flöte, Streicher und Basso continuo vorliegen – Mara gewidmet sind. […] Mara starb am 27. September 1783 in Berlin. […]
Die einzigen Kompositionen, die anhand ihrer Zuschreibung relativ sicher Ignaz Mara zugeordnet werden können, sind das Konzert für Viola, Streicher und Basso continuo in Es-Dur und die beiden Solo-Sonaten für Violoncello in D-Dur und A-Dur. […]
Neben den beiden Violakonzerten in Es, GraunWV Av:XIII:28 und GraunWV Cv:XIII:116, von J. G. Graun, den beiden Violakonzerten in Es und C von M. H. Grauel, den beiden Violakonzerten in F und Es, LorB 314 und 315 (jeweils mit zwei Hörnern), von Friedrich Wilhelm Heinrich Benda (1745–1814) und dem Violakonzert in F von Carl Hermann Heinrich Benda (1748–1836) ist auch ein Violakonzert in Es von Ignaz Mara in zwei Abschriften überliefert, wobei die erste Abschrift der vermutlich einige Jahrzehnte jüngeren zweiten als Vorlage diente.
Nach Quellenlage und Überlieferung wurde das Solo-Konzert in Es von Mara für Bratsche komponiert, auch wenn wegen eines nicht vorhandenen Kompositionsautographs nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine zeitgenössische Bearbeitung einer ursprünglich für ein anderes Solo-Instrument vorgesehenen Fassung handelt. Dass der Urheber als Cellist ein Bratschenkonzert schuf, war am preußischen Hof offenbar nicht ungewöhnlich. Auch M. H. Grauel, Christian Friedrich Schale (1713–1800), beide ebenfalls Cellisten, und J. G. Janitsch, Kontraviolonist, komponierten Solo-Konzerte für Bratsche. […]
Das Konzert von Mara stellt in der Solo-Stimme keine besonders hohen Ansprüche an den Solisten. Es ist auch ein verhältnismäßig kurzes Werk, das seinen Schöpfer aber als einen handwerklich versierten Komponisten ausweist. Neben den oben genannten Konzerten von Graun und Grauel belegt es die frühe Pflege der Bratsche als Solo-Instrument am preußischen Hof und ist in jedem Fall geeignet, das spätbarocke Repertoire für Bratsche im modernen Konzertleben zu bereichern.

Aus dem Vorwort von Phillip Schmidt

Zurück