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Vor
250 Jahren starb Carl Heinrich Graun. Die musikhistorisch interessanten
Erkenntnisse, die Christoph Henzel während seiner Arbeit am Werkverzeichnis
der Brüder Graun (siehe dazu die Rezension in FM 2008/3) aufgingen,
hat er nun dankenswerterweise gesammelt und noch im Graun-Jahr in einem
profunden Buch veröffentlicht. Man gewinnt einen einmaligen Einblick
in die Entstehung einer musikgeschichtlichen Konstruktion, die mit "Berliner
Klassik" benannt ist. Etwas als klassisch, d.h. als normativ und
mustergültig zu betrachten, ist ja immer ein Produkt der Mit- oder
Nachwelt, die auf solche, die Überlieferung prägenden und
handlich machenden Titel und Etikette nicht verzichten kann. So war
und ist es im Falle der so genannten Wiener Klassik, und so ist es auch
mit den Etiketten "Preußischer Stil", "Preußischer
Barock", "Friderizianischer Stil" und "Berliner
Klassik". Henzel verfolgt akribisch die verschiedenen Stufen der
Verfestigung solcher Klischees, die natürlich immer auch einen
realen Kern haben, der vielleicht immerhin die halbe Wahrheit ausmacht.
Eine schon von C. F. D. Schubart ausgemachte "Berliner Schule"
entbehrt natürlich nicht realer Anhaltspunkte im Rahmen der idiomatisch
erkennbaren norddeutschen Musikkultur. So gibt es auch eine beschreibbare
Opernästhetik des preußischen Königs Friedrich II.,
die er sich zwischen den Traditionen der italienischen und französischen
Oper zurechtlegte und der zu folgen, er auch seinen bestallten Hofkomponisten
abverlangte.
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